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Pflanzkübel und Kulturpalast – sozialistisches Erbe „revisited“

17.01.2023, 5 Min. Lesezeit

Studienreise Paläste in Osteuropa – 1. Reisetag: Warschau

Gesprächsrunde mit Aleksandra Kędziorek, Cora Hegewald und Gesine Klintworth (von rechts nach links)
© SHF / Gesine Klintworth

An unserem ersten Reisetag treffen wir Aleksandra Kędziorek. Sie wurde uns als Gesprächspartnerin vom Goethe Institut empfohlen. In der Bibliothek des Instituts treffen wir die junge Warschauerin; sie ist Kunst- und Architekturhistorikerin und arbeitet aktuell für das Museum für Moderne Kunst in Warschau. Sie hat diverse Ausstellungen zu moderner Architektur und Design kuratiert. Auf den ersten Blick gibt es keine direkte Verbindung zum Palast der Kultur und Wissenschaft, kurz PKiN, dem Anlass unseres Warschau-Besuchs. Und doch kommen wir sehr schnell auf ihn zu sprechen.

Der Palast der Kultur und Wissenschaft (Pałac Kultury i Nauki, abgekürzt PKiN)
© SHF/ Cora Hegewald

Auf dem Vorplatz des Kulturpalastes ist der Neubau des Museums, finanziert von der Stadt Warschau, in vollem Gange. Bei unserer Besichtigung des PKiNs haben wir von der Dachterrasse aus die umfangreichen Baumaßnahmen gesehen. Aleksandra Kędziorek erzählt uns, dass der Neubau des Museums ein erster Schritt in einer Reihe von Maßnahmen zur Umgestaltung des gesamten Bereichs um den Palast ist.

Blick von der Dachterrasse des PKiN auf die Baustelle des Museum für Moderne Kunst Warschau
© SHF/ Cora Hegewald

Die Einigung auf einen Masterplan für dieses zentrale Stadtviertel war ein dreißig Jahre währender und umkämpfter Prozess. Vor allem in den 1990er Jahren fand ein lebhafter Streit um Abriss, Wiederaufbau der historischen Bebauung oder Umnutzung statt, die Vorschläge wie diesen hervorbrachte: den PKiN hinter einer Reihe von Hochhausneubauten „verschwinden“ zu lassen. Mit steigendem Interesse an der Architektur der Nachkriegszeit veränderte sich die öffentliche Debatte. In den 2000er und 2010er Jahren wurde das architektonische Erbe des Sozialismus neu bewertet, transformiert und umgenutzt. Aleksandra Kędziorek sieht auch eine Ironie der Geschichte: Der Sitz der Kommunistischen Partei Warschau ist heute die Börse.

 

Hochhäuser um den PKiN (Pałac Kultury i Nauki – Palast der Kultur und Wissenschaft)
© SHF/ Cora Hegewald

Der Palast der Kultur und Wissenschaft PKiN wurde 2005/07 zum kulturellen Erbe erklärt und steht seither unter Denkmalschutz. Die Perspektive auf den Palast von heute ist laut Aleksandra Kędziorek „a generational thing“, eine Generationsfrage. Vor allem für junge Menschen ist er nur ein Gebäude, ein Wahrzeichen ohne besondere Konnotation. Aktuell streite man eher um die Ausgestaltung des Raumes vor dem Palast, der als öffentliches Forum konzipiert ist. Gemeinsam mit Centrala, einem Architekten-Duo, entwickelt sie hierfür das Aquatic Plant Pot-Project weiter: Wasserpflanzen in Pflanzkübeln, wie sie seit den 1960er und 1970er Jahren in Warschau zu finden sind, zur Begrünung und Klimaregulierung in der Stadt. Die Testphase sei sehr erfolgreich gewesen.

Am Ende des Gesprächs finden wir, dass die Empfehlung sie zu treffen goldrichtig war. Besten Dank an das Goethe Institut Warschau und an Aleksandra Kędziorek für ihre Zeit!

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