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Das Programm

von Judith Prokasky 23.11.2022, 3 Min. Lesezeit

Ein besonderer Programmschwerpunkt im Humboldt Forum bis 2024

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Warum machen wir das Programm »Der Palast der Republik ist Gegenwart«?

• Weil wir davon ausgehen, dass der Palast der Republik symbolisch für die DDR gelesen wird und das Humboldt Forum als Repräsentanz der Bundesrepublik Deutschland.

• Weil unsere Erfahrungen in den letzten Jahren gezeigt haben, dass verschiedene Personen, Personengruppen und Medien das Humboldt Forum in einem Bezug zum Palast der Republik sehen.

• Weil das Humboldt Forum ein Forum und damit ein Austragungsort für Debatten über historische und aktuelle gesellschaftliche, politische Phänomene und Fragestellungen sein soll.

Das Humboldt Forum steht an einem besonderen Ort. Über 600 Jahren stellt sich hier politische Macht repräsentativ dar. Es liegt in der Logik des Ortes, dass das Humboldt Forum nicht als »neutrale« Kulturinstitution, sondern als wirkmächtiges Symbol staatlicher Interessen, Haltungen und Ansprüche wahrgenommen wird – und als solches hinterfragt, gefordert oder vereinnahmt wird. In diesem Kontext steht auch der Themenkomplex »Palast der Republik«, umso mehr, als dass das Humboldt Forum in der Wahrnehmung vieler Zeitgenoss*innen den Platz des Palastes eingenommen hat – je nach Lesart rechtmäßig oder gewaltsam, sinnstiftend oder geschichtsklitternd. Insofern fragt es sich, inwieweit das Vorhaben, den Palast der Republik im Humboldt Forum zu thematisieren, anmaßend oder konsequent erscheint.

Es ist in der Satzung der Stiftung Humboldt Forum verankert, dass die Beschäftigung mit der Geschichte des Ortes vom Mittelalter bis zur Gegenwart zu den zentralen Aufgaben der Stiftung gehört. Daher gibt es den Stiftungsbereich »Geschichte des Ortes«, der unter der Leitung von Alfred Hagemann diese Geschichte erschließt, der Öffentlichkeit vermittelt und dabei das eigene Tun unter dem Motto »Geschichte wird gemacht« kritisch reflektiert und transparent macht. Der Bereich hat seit Anfang 2014 Forschung durchgeführt, Film-, Fernseh- und Fotomaterial erschlossen und digitalisiert, Objekte und Archivalien recherchiert und gesammelt, Ausstellungen und Veranstaltungen durchgeführt sowie vielfältige Gespräche und Publikationen zum Palast der Republik verantwortet. Der Bereich wird von Fachkolleg*innen und der Öffentlichkeit zunehmend wahrgenommen, was sich in vielfältigen Partnerschaften sowie Schenkungen (zuletzt der Nachlass des letzten Direktors des Palasts der Republik) abbildet.

Die Geschichte des Ortes ist eines der drei Kernthemen im Humboldt Forum. Das Humboldt Forum reflektiert auf diese Weise auch seine eigene Existenz und Vorgeschichte als politischer Repräsentationsbau. Und stellt sich damit der fortwährend öffentlich diskutierten Frage, warum der Palast der Republik abgerissen und an seiner Stelle das Humboldt Forum in der teilweisen Anmutung eines barocken Schlosses errichtet wurde.

Das Programm ist beim Bereich Geschichte des Ortes angebunden, dessen Vision lautet Unsere Auseinandersetzung mit der Geschichte dieses Ortes ermöglicht es, die heutigen gesellschaftlichen Herausforderungen besser anzugehen.

Das Kuratorische Programmteam entwickelt in verschiedenen Prozessen die zentralen Kriterien und Ideen für ein aktuell relevantes und innovatives Programm. Das Kuratorische Programmteam besteht aus Kolleg*innen aus mehreren Bereichen und Abteilungen und bezieht darüber hinaus vielfältige, auch internationale Perspektiven ein. Auf diese Weise setzt es mit seiner Arbeit die grundsätzlichen Überlegungen aus dem Mission Statement des Humboldt Forums, der Erklärung der Hausleitungen sowie der Grundlinien für Ausstellungen programmatisch und pragmatisch um. Eine zentrale Rolle bei der Programmarbeit spielt das Akademie-Projekt »Erinnerungsarbeit im Humboldt Forum«.

Das Programm hat 2021 mit internen Prozessen und Community Building begonnen und trat mit einem Themenwochenende am 31.04./01.05. in das Licht einer größeren Öffentlichkeit. Der Schwerpunkt findet auf unterschiedliche Weise seinen Ausdruck: eine Sonderausstellung (Eröffnung voraussichtlich im Frühjahr 2024), Akademie-, Veranstaltungs- und digitale Formate. Die initiierten Prozesse und Netzwerke werden über das Programmende hinaus wirken.

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