{"id":2801,"date":"2023-06-09T15:03:18","date_gmt":"2023-06-09T13:03:18","guid":{"rendered":"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/?post_type=magazine-article&#038;p=2801"},"modified":"2025-03-28T17:41:57","modified_gmt":"2025-03-28T16:41:57","slug":"erinnern-erzaehlen-wissen-erzaehlgemeinschaften-in-der-wissenspraxis","status":"publish","type":"magazine-article","link":"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/en\/erinnern-erzaehlen-wissen-erzaehlgemeinschaften-in-der-wissenspraxis\/","title":{"rendered":"Erinnern, Erz\u00e4hlen, Wissen? Erz\u00e4hlgemeinschaften in der Wissenspraxis"},"content":{"rendered":"<section class=\"block block-copy\" style=\"margin-bottom:var(--spacing-third);\">\n    <div>\n        <block-copy inline-template>\n            <div>\n                <div class=\"container-fluid\">\n                                        <div class=\"comment-icon-container\" @click.prevent=\"scrollToComments()\">\n                        <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/wp-content\/themes\/humboldt\/assets\/icons\/comment.svg\" width=\"58\" height=\"60\" \/>\n                        <span class=\"comment-number\">0<\/span>\n                    <\/div>\n                                        <div class=\"copy-container\">\n                        <p><em>Erinnern, Erz\u00e4hlen, Wissen? Diese Reihung beschreibt die Grundfragen, mit denen sich das Projekt \u00bbErinnerungsarbeit im Humboldt Forum\u00ab auseinandersetzt: Wie ist das Verh\u00e4ltnis von Erinnern und Wissen, wie ver\u00e4ndert der Akt des Erz\u00e4hlens die Erinnerung und wie gewinnen wir Wissen aus Erz\u00e4hltem? Am 6. Oktober 2022 trafen sich verschiedene Wissenschaftler*innen unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/programm\/termin\/fachgespraech\/erinnern-erzaehlen-wissen-47016\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbErinnerung, Erz\u00e4hlen, Wissen?\u00ab<\/a> zu einem Fachtag, um \u00fcber diese Fragen gemeinsam nachzudenken. Veranstalterin war die Akademie, die als Programmabteilung des Humboldt Forums Angebote der Kulturellen Bildung entwickelt, um programmatisch Wissenschaft und Forschung mit der interessierten \u00d6ffentlichkeit zusammenzubringen. Die Fachtage bieten regelm\u00e4\u00dfig einen intensiven Austausch zu aktuellen Forschungsthemen sowohl f\u00fcr Fachkolleg*innen, als auch f\u00fcr interessierte Besucher*innen. Die Akademie verantwortet u.a. das Projekt \u00bbErinnerungsarbeit im Humboldt Forum\u00ab, in dem zahlreiche Interviews rund um den Palast der Republik entstehen und arbeitet hierf\u00fcr eng mit dem Bereich \u00bbGeschichte des Ortes\u00ab zusammen.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>Christiane Kuller, Professorin f\u00fcr Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik der Universit\u00e4t Erfurt, machte mit ihrem Einstiegs-Vortrag, den wir hier leicht ver\u00e4ndert ver\u00f6ffentlichen, den Auftakt am 6. Oktober. Sie erl\u00e4utert das mitunter schwierige und sehr komplexe Verh\u00e4ltnis, das in einem Interview zwischen dem oder der Fragenden und dem oder der Erz\u00e4hlenden entsteht. Wie kann Wissenschaft auf die Erwartungen und Anspr\u00fcche der Interviewten eingehen und reagieren? Wie kann ein respektvolles und offenes Gespr\u00e4ch gelingen? Und wie lassen sich die Autonomieanspr\u00fcche beider Seiten miteinander in Einklang bringen? Fragen, mit denen auch wir uns auseinandersetzen und die Einfluss auf unsere Interviews nehmen, die wir zum Thema Palast der Republik f\u00fchren.<\/em><\/p>\n                    <\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n        <\/block-copy>\n    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-standard-image\" style=\"margin-bottom:var(--spacing-third);\">\n\t<div class=\"container-fluid \">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-sm-6 col-sm-offset-3\">\n\t\t\t\t\n\t<lazy-media-inline inline-template>\n\t\t<figure itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageObject\" class=\"lazy-media-inline \" role=\"group\" id=\"media_69d0d2e5b5cb5\">\n\t\t\t<script type=\"application\/json\" ref=\"data\">\n\t\t\t\t{\n\t\t\t\t\"sizes\" : {\"medium\":{\"file\":\"SHF_eb00196056_breit-300x286.jpg\",\"width\":300,\"height\":286,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":9271},\"large\":{\"file\":\"SHF_eb00196056_breit-1024x975.jpg\",\"width\":1024,\"height\":975,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":55392},\"thumbnail\":{\"file\":\"SHF_eb00196056_breit-150x150.jpg\",\"width\":150,\"height\":150,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":3656},\"medium_large\":{\"file\":\"SHF_eb00196056_breit-768x731.jpg\",\"width\":768,\"height\":731,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":37333},\"small\":{\"file\":\"SHF_eb00196056_breit-440x419.jpg\",\"width\":440,\"height\":419,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":16510},\"semi\":{\"file\":\"SHF_eb00196056_breit-580x552.jpg\",\"width\":580,\"height\":552,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":24987},\"mobile\":{\"file\":\"SHF_eb00196056_breit-720x685.jpg\",\"width\":720,\"height\":685,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":33978},\"original\":{\"file\":\"SHF_eb00196056_breit.jpg\",\"width\":1200,\"height\":1142}},\n\t\t\t\t\"alt\" : \"Graphic Recording Zeichnung, die w\\u00e4hrend des Fachtages \\u00bbErinnerung, Erz\\u00e4hlen, Wissen?\\u00ab am 6. 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Oktober 2022 im Humboldt Forum entstanden ist.<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/figure>\n\t<\/lazy-media-inline>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" style=\"margin-bottom:var(--spacing-third);\">\n    <div>\n        <block-copy inline-template>\n            <div>\n                <div class=\"container-fluid\">\n                                        <div class=\"copy-container\">\n                        <h4>Erinnern, Erz\u00e4hlen, Wissen? Erz\u00e4hlgemeinschaften in der Wissenspraxis\u00a0<a href=\"#fussnote1\" name=\"anmerkung1\">(1)<\/a><\/h4>\n<p>Menschen erinnern sich, und wenn sie diese Erinnerungen teilen, wenn sie sich gegenseitig davon erz\u00e4hlen, entsteht daraus neues gemeinsames Wissen. Das ist einerseits wichtig, um Erinnerungen zu bewahren, die sonst verloren w\u00e4ren, andererseits um sich untereinander \u00fcber die Erinnerungen zu vergewissern und daraus Identit\u00e4ten zu entwickeln. Sie sind auch wichtig, um den Wissenshorizont derer zu erweitern, die keine eigene Erinnerung an die jeweilige Erfahrung haben. Und es gilt auch: das, wor\u00fcber gesprochen wird, ver\u00e4ndert sich mit jedem Schritt: von der Erinnerung zum Erz\u00e4hlen und vom Erz\u00e4hlen zum Wissen. Es finden Transformationen statt, die von denjenigen, die an diesem Prozess beteiligt sind, ganz wesentlich beeinflusst und gepr\u00e4gt werden. In welcher Konstellation und unter welchen Bedingungen ein Gespr\u00e4ch stattfindet, das ist wesentlich daf\u00fcr verantwortlich, wie das Wissen aussieht, das am Ende entsteht. Und diese Konstellationen sind nicht selten von Machtaus\u00fcbung gekennzeichnet, die mitunter von brutaler Gewalt sein kann.<\/p>\n<h4>Methodenfragen<\/h4>\n<p>Ausgangspunkt f\u00fcr den Fachtag war die \u00dcberlegung, dass wir sehr unterschiedliche Arten von Gespr\u00e4chen \u00fcber Erinnerungen zusammenbringen wollten, um durch den Austausch vielleicht neue Aspekte f\u00fcr die verschiedenen Debatten unterschiedlicher F\u00e4cher zu gewinnen. Es ging dabei auf der einen Seite um ethnologische Forschungen. Es war naheliegend, das hier am Humboldt Forum zu thematisieren, wo vor wenigen Tagen der letzte Teil des Ethnologischen Museums und des Museums f\u00fcr Asiatische Kunst er\u00f6ffnet worden war.\u00a0<a href=\"#fussnote2\" name=\"anmerkung2\">(2)<\/a> Auf der anderen Seite ging es um die Erinnerungskonflikte im Umgang mit der j\u00fcngeren deutschen Geschichte. Anl\u00e4sslich des 32. Tages der Deutschen Einheit haben wir dar\u00fcber vor Kurzem wieder viel in den Feuilletons gelesen. Meine Gedanken sind daher auch gepr\u00e4gt vom Nachdenken \u00fcber Schnittstellen zwischen Zeitgeschichte und Ethnologie. In einem der F\u00e4cher bin ich selbst t\u00e4tig (Zeitgeschichte), dem anderen entnehme ich kritische Impulse (Ethnologie).<\/p>\n<p>Die Verbindung zwischen Zeitgeschichte und Ethnologie ist eng. In den 1980er Jahren waren deutsche Historikerinnen und Historiker, die sich f\u00fcr Erfahrungsgeschichte interessierten, fasziniert von ethnologischen Methoden. Lutz Niethammer, einer der Gr\u00fcndungsv\u00e4ter der deutschen Oral History, schrieb r\u00fcckblickend ganz explizit, es sei damals das Ziel gewesen, ethnologische Methoden in die Geschichtswissenschaft zu \u00fcbernehmen.&nbsp;<a href=\"#fussnote3\" name=\"anmerkung3\">(3)<\/a> Die Geschichtswissenschaftler*innen suchten nach Methoden, um auch solche Teile der Vergangenheit zu bewahren, f\u00fcr die es keine schriftlichen Zeugnisse gab, die nur \u00fcber Gespr\u00e4che zu erkunden waren. Sie griffen damit einen internationalen Trend auf, der unter anderem darauf zielte, dass die bisher nicht geh\u00f6rten Geschichten, d.h. Geschichten von marginalisierten Gruppen, die nur in m\u00fcndlichen Erz\u00e4hlungen \u00fcberliefert waren, einen Platz im Geschichtsbild erhalten sollten. Dazu musste man mit den Menschen \u00fcber ihre Erinnerungen sprechen, und daf\u00fcr schien die Ethnologie die geeigneten Methoden bereitzustellen.<\/p>\n                    <\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n        <\/block-copy>\n    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-standard-image\" style=\"margin-bottom:var(--spacing-third);\">\n\t<div class=\"container-fluid \">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-sm-6 col-sm-offset-3\">\n\t\t\t\t\n\t<lazy-media-inline inline-template>\n\t\t<figure itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageObject\" class=\"lazy-media-inline \" role=\"group\" id=\"media_69d0d2e5bcfe3\">\n\t\t\t<script type=\"application\/json\" ref=\"data\">\n\t\t\t\t{\n\t\t\t\t\"sizes\" : {\"medium\":{\"file\":\"SHF_eb00196060_breit-300x267.jpg\",\"width\":300,\"height\":267,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":9817},\"large\":{\"file\":\"SHF_eb00196060_breit-1024x912.jpg\",\"width\":1024,\"height\":912,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":59798},\"thumbnail\":{\"file\":\"SHF_eb00196060_breit-150x150.jpg\",\"width\":150,\"height\":150,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":3777},\"medium_large\":{\"file\":\"SHF_eb00196060_breit-768x684.jpg\",\"width\":768,\"height\":684,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":40872},\"small\":{\"file\":\"SHF_eb00196060_breit-440x392.jpg\",\"width\":440,\"height\":392,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":18110},\"semi\":{\"file\":\"SHF_eb00196060_breit-580x517.jpg\",\"width\":580,\"height\":517,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":27121},\"mobile\":{\"file\":\"SHF_eb00196060_breit-720x641.jpg\",\"width\":720,\"height\":641,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":37289},\"original\":{\"file\":\"SHF_eb00196060_breit.jpg\",\"width\":1200,\"height\":1069}},\n\t\t\t\t\"alt\" : \"Graphic Recording Zeichnung, die w\\u00e4hrend des Fachtages \\u00bbErinnerung, Erz\\u00e4hlen, Wissen?\\u00ab am 6. 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Mit dem Erz\u00e4hlen von Erinnerungen wird kein Fenster zur Vergangenheit aufgesto\u00dfen, sondern man bekommt immer nur eine Aussage \u00fcber die Erinnerung zum Zeitpunkt des Interviews, also in der Gegenwart. Hier kommen dann Ged\u00e4chtnistheorien ins Spiel. So entwickelte das Team um Lutz Niethammer, Alexander von Plato und Dorothee Wierling in den 1980er Jahren ein Verfahren, um verschiedene Ged\u00e4chtnisschichten freizulegen,&nbsp;<a href=\"#fussnote4\" name=\"anmerkung4\">(4)<\/a> nicht nur die, derer sich die Interviewpartner*innen von Anfang an bewusst sind, sondern auch solche, die zun\u00e4chst verborgen sind oder f\u00fcr unwichtig erachtet werden. Die Forscher*innen gehen davon aus, dass in den Erinnerungen von Menschen nicht nur eine Ged\u00e4chtnisschicht vorhanden ist, sondern mehrere, auf die unterschiedlich zugegriffen werden kann. Das Team der Oral Historians, in deren Tradition auch wir arbeiten, hat hier den Begriff der \u00bbGed\u00e4chtnisspur\u00ab eingef\u00fchrt, und historische Interviews zielen nicht zuletzt darauf, \u00bbSpurwechsel\u00ab zwischen verschiedenen Ged\u00e4chtnisspuren herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Warum erz\u00e4hle ich das? Weil es bedeutet, dass ich als Historikerin nicht nur zuh\u00f6re und versuche, im Interview m\u00f6glichst \u00bbunsichtbar\u00ab zu sein,&nbsp;<a href=\"#fussnote5\" name=\"anmerkung5\">(5)<\/a> sondern es um eine gemeinsame \u00bbHerstellung\u00ab von Quellen geht und um die Interaktion zwischen Interviewer*in und Interviewten als wesentlichen Teil dieses Forschungsprozesses. Der oder die Interviewer*in soll nicht verschwinden, was er oder sie ja auch gar nicht k\u00f6nnte. Stattdessen soll eine spezifische, methodisch kontrollierte Interaktion zwischen den Gespr\u00e4chspartner*innen unterschiedliche Erinnerungsprozesse in Gang setzen. Die Interaktion ist also nicht ein unerw\u00fcnschter Nebeneffekt, der m\u00f6glichst reduziert werden soll, sondern konstitutiver Teil des Erkenntnisprozesses.<br \/>\nDamit gewinnen die Historiker*innen aber auch eine machtvolle Position. Die interviewte Person ist zwar weiterhin Autorin ihrer Lebensgeschichte, sie ist aber beim Erz\u00e4hlen nicht mehr autonom. Denn die Vorstellungen der Historiker*innen bestimmen wesentlich, wann, wie und in welchem Ausma\u00df die \u00bbGed\u00e4chtnisspuren\u00ab angesteuert werden. Die Wissenschaftler*innen sind also nicht nur einfache Gespr\u00e4chspartner*innen in einem Dialog, sie h\u00f6ren nicht nur zu, sondern steuern den Erkenntnisprozess in dem Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Hinzu kommt: In der Regel sind auch sie es, die die Ergebnisse aufschreiben. Dieses Aufzeichnen ist ebenfalls ein machtvoller Prozess, nicht nur, weil derjenige, der aufschreibt, bestimmt, was aufgeschrieben wird und was nicht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schreiben ihre Erkenntnisse in der Regel auch in ein Forschungsfeld ein, und das ist von bestehenden Forschungstraditionen durchzogen, die nur sehr schwer aufgebrochen werden k\u00f6nnen. Die Ergebnisse werden in einen laufenden Forschungsdiskurs eingeordnet und in der Regel wird damit der bestehende Trend fortgeschrieben.&nbsp;<a href=\"#fussnote6\" name=\"anmerkung6\">(6)<\/a><\/p>\n                    <\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n        <\/block-copy>\n    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-standard-image\" style=\"margin-bottom:var(--spacing-third);\">\n\t<div class=\"container-fluid \">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-sm-6 col-sm-offset-3\">\n\t\t\t\t\n\t<lazy-media-inline inline-template>\n\t\t<figure itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageObject\" class=\"lazy-media-inline \" role=\"group\" id=\"media_69d0d2e5c5c63\">\n\t\t\t<script type=\"application\/json\" ref=\"data\">\n\t\t\t\t{\n\t\t\t\t\"sizes\" : {\"medium\":{\"file\":\"SHF_eb00195998_breit-300x273.jpg\",\"width\":300,\"height\":273,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":10156},\"large\":{\"file\":\"SHF_eb00195998_breit-1024x933.jpg\",\"width\":1024,\"height\":933,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":60183},\"thumbnail\":{\"file\":\"SHF_eb00195998_breit-150x150.jpg\",\"width\":150,\"height\":150,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":4174},\"medium_large\":{\"file\":\"SHF_eb00195998_breit-768x700.jpg\",\"width\":768,\"height\":700,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":40268},\"small\":{\"file\":\"SHF_eb00195998_breit-440x401.jpg\",\"width\":440,\"height\":401,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":18017},\"semi\":{\"file\":\"SHF_eb00195998_breit-580x528.jpg\",\"width\":580,\"height\":528,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":26832},\"mobile\":{\"file\":\"SHF_eb00195998_breit-720x656.jpg\",\"width\":720,\"height\":656,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":36620},\"original\":{\"file\":\"SHF_eb00195998_breit.jpg\",\"width\":1200,\"height\":1093}},\n\t\t\t\t\"alt\" : \"Graphic Recording Zeichnung, die w\\u00e4hrend des Fachtages \\u00bbErinnerung, Erz\\u00e4hlen, Wissen?\\u00ab am 6. 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Oktober 2022 im Humboldt Forum entstanden ist.<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/figure>\n\t<\/lazy-media-inline>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" style=\"margin-bottom:var(--spacing-third);\">\n    <div>\n        <block-copy inline-template>\n            <div>\n                <div class=\"container-fluid\">\n                                        <div class=\"copy-container\">\n                        <p>In der Oral History-Arbeit in unserem Projekt zur Erfahrungsgeschichte der DDR und Transformationszeit&nbsp;<a href=\"#fussnote7\" name=\"anmerkung7\">(7)<\/a> erleben wir heftigen Widerstand gegen die gerade angesprochene Methode. Menschen wollen uns ihre Lebensgeschichte erz\u00e4hlen, aber sie wollen es nicht in einem von Wissenschaftler*innen geleiteten Gespr\u00e4ch tun. Sie wollen selbst kontrollieren, was sie erz\u00e4hlen und wie sie es tun. H\u00e4ufig kommen sie mit einem festen Plan, welche Geschichte sie erz\u00e4hlen wollen. Und h\u00e4ufig steht dahinter die Agenda, das dominante Narrativ, das sie aus Museen und Gedenkst\u00e4tten, aber auch aus Politikerreden und Schulb\u00fcchern kennen, aufzubrechen und eine \u00bbganz andere\u00ab Geschichte erz\u00e4hlen zu wollen. Und das f\u00fchrt zum n\u00e4chsten Punkt: Viele Menschen wollen nicht, dass ihre Lebensgeschichte in den laufenden Forschungsdiskurs einfach nur eingeschrieben wird. Sie wollen die Kontrolle dar\u00fcber, welche Teile ihrer Geschichte erz\u00e4hlt werden und welche nicht, und vor allem sind sie nicht bereit, die Entscheidung, wie die Geschichte erz\u00e4hlt wird, an die Historikerin abzugeben. Es wird Partizipation in allen Schritten des Prozesses vom Erz\u00e4hlen der Erinnerung \u00fcber die Aufzeichnung bis zur Formulierung von daraus resultierenden Wissensbest\u00e4nden eingefordert.<\/p>\n<p>Darauf einzugehen ist f\u00fcr Historiker*innen eine Herausforderung. Nicht etwa, weil wir diese Partizipationsanspr\u00fcche nicht anerkennen k\u00f6nnten. Der US-amerikanische Historiker Michael Frisch hat bereits in den 1990er Jahren darauf hingewiesen, dass die geschichtswissenschaftliche Arbeit mit Oral History-Interviews zu einer breiteren gesellschaftlichen Partizipation in \u00f6ffentlichen Geschichtsdebatten f\u00fchren kann und sollte.&nbsp;<a href=\"#fussnote8\" name=\"anmerkung8\">(8)<\/a> Dem kann ich mich nur anschlie\u00dfen.<\/p>\n                    <\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n        <\/block-copy>\n    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-standard-image\" style=\"margin-bottom:var(--spacing-third);\">\n\t<div class=\"container-fluid \">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-sm-6 col-sm-offset-3\">\n\t\t\t\t\n\t<lazy-media-inline inline-template>\n\t\t<figure itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageObject\" class=\"lazy-media-inline lazy-max-height-exception\" role=\"group\" id=\"media_69d0d2e5cee3b\">\n\t\t\t<script type=\"application\/json\" ref=\"data\">\n\t\t\t\t{\n\t\t\t\t\"sizes\" : {\"medium\":{\"file\":\"SHF_eb00196020_breit-290x300.jpg\",\"width\":290,\"height\":300,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":10242},\"large\":{\"file\":\"SHF_eb00196020_breit-990x1024.jpg\",\"width\":990,\"height\":1024,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":56110},\"thumbnail\":{\"file\":\"SHF_eb00196020_breit-150x150.jpg\",\"width\":150,\"height\":150,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":3721},\"medium_large\":{\"file\":\"SHF_eb00196020_breit-768x794.jpg\",\"width\":768,\"height\":794,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":40288},\"small\":{\"file\":\"SHF_eb00196020_breit-425x440.jpg\",\"width\":425,\"height\":440,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":17627},\"semi\":{\"file\":\"SHF_eb00196020_breit-561x580.jpg\",\"width\":561,\"height\":580,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":26128},\"mobile\":{\"file\":\"SHF_eb00196020_breit-696x720.jpg\",\"width\":696,\"height\":720,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":35145},\"original\":{\"file\":\"SHF_eb00196020_breit.jpg\",\"width\":1200,\"height\":1241}},\n\t\t\t\t\"alt\" : \"Graphic Recording Zeichnung, die w\\u00e4hrend des Fachtages \\u00bbErinnerung, Erz\\u00e4hlen, Wissen?\\u00ab am 6. 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Oktober 2022 im Humboldt Forum entstanden ist.<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/figure>\n\t<\/lazy-media-inline>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" style=\"margin-bottom:var(--spacing-third);\">\n    <div>\n        <block-copy inline-template>\n            <div>\n                <div class=\"container-fluid\">\n                                        <div class=\"copy-container\">\n                        <p>Es geht mir um etwas anderes: Durch die Zur\u00fcckstellung wissenschaftlicher Deutungskriterien gegen\u00fcber der individuellen Bewertung von Erinnerungen k\u00f6nnen Funktionen von Wissenschaft, die aus ihrer Autonomie erwachsen, gef\u00e4hrdet werden:\u00a0<a href=\"#fussnote9\" name=\"anmerkung9\">(9)<\/a> Wissenschaft k\u00f6nnte dadurch etwa ihre (gesellschafts-)kritische Funktion verlieren. Auch in der Erinnerungskultur hat Wissenschaft Ressourcenfunktionen und Korrekturaufgaben, die nur dann produktiv erhalten werden k\u00f6nnen, wenn Wissenschaft autonom agiert.\u00a0<a href=\"#fussnote10\" name=\"anmerkung10\">(10)<\/a> Das kann letztlich auch bedeuten, dass wissenschaftliche Kriterien m\u00f6glicherweise den Erz\u00e4hlinteressen der Interviewpartner*innen entgegenstehen.<\/p>\n<h4>Mehr als erz\u00e4hlen und zuh\u00f6ren: Rollen und Beziehungen zwischen Gespr\u00e4chspartner*innen<\/h4>\n<p>Im zeithistorischen Interview kommen Menschen zusammen, die unterschiedliche Interessen und Projekte haben. Alle Beteiligten, ob der interviewte Zeitgenosse oder die interviewende Wissenschaftlerin, bringen eigene Haltungen und eine eigene Erfahrungsgeschichte mit. Jede*r von ihnen hat Erwartungen und Intentionen, die er oder sie mit dem Interview verbindet. Wir haben in der Forschungsstelle zur \u00bbostdeutschen Erfahrung\u00ab vielfach beobachtet, dass es einen gro\u00dfen Unterschied macht, ob die Person, die das Interview f\u00fchrt, als \u00bbOssi\u00ab oder als \u00bbWessi\u00ab gilt (hier gibt es \u00fcbrigens nicht selten falsche Annahmen), welcher Generation sie angeh\u00f6rt, und auch ob sie Frau oder Mann ist \u2013 um nur die oberfl\u00e4chlichsten Kennzeichen zu erw\u00e4hnen. Ebenso spielen die Erwartungen und Zuschreibungen der Wissenschaftler*innen an ihre Interviewpartner*innen eine wichtige Rolle daf\u00fcr, wie das Gespr\u00e4ch verl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Wenn man sich diese Rahmenbedingungen vor Augen f\u00fchrt, dann ist klar, dass ein solches Interview alles andere ist als eine neutrale Beobachtungssituation, in der Wissenschaftler*innen Erz\u00e4hlungen sammeln und in Wissen \u00fcberf\u00fchren. Es ist eine gewaltige Karambolage auf emotionaler und kultureller Ebene, ein Zusammensto\u00df zwischen aufgeregten Erwartungen und hochgesteckten Vorhaben, jede*r der Gespr\u00e4chspartner*innen ist darauf bedacht, das Gegen\u00fcber zu sondieren und gleichzeitig seine oder ihre eigene Agenda nicht aus den Augen zu verlieren.<\/p>\n<p>Und das Gespr\u00e4ch wird beide auch nicht unver\u00e4ndert entlassen: Interviewpartner*innen und Interviewer*innen werden hinterher neu auf das Gesprochene und Geh\u00f6rte, aber auch auf sich selbst, die eigene Rolle blicken \u2013 ein Prozess, der auch nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden kann.<\/p>\n<p>Ich will es, inspiriert von der Ethnologin Heike Behrend, noch einmal etwas anders wenden: Schon im Erkenntnisinteresse, den oder die andere*n kennenlernen zu wollen, steckt eine Alterit\u00e4tskonstruktion, also eine Vorstellung von der Andersartigkeit unseres Gegen\u00fcbers, die uns nicht selten auf eine falsche F\u00e4hrte lockt. Auch steht dahinter oft ein paternalistischer, d.h. bevormundender Ansatz, also die Vorstellung, dass die Wissenschaftlerin den Interviewpartner \u00bblesen\u00ab und \u00bbinterpretieren\u00ab kann. Nicht nur f\u00fchrt diese Annahme h\u00e4ufig in die Irre, sie gilt auch f\u00fcr beide Seiten: Nicht nur die Wissenschaftlerin interpretiert den Interviewpartner, auch der Interviewpartner \u00bbliest\u00ab die Wissenschaftlerin. Diese Art von \u00bbinverser Ethnografie\u00ab\u00a0<a href=\"#fussnote11\" name=\"anmerkung11\">(11)<\/a> und die damit verbundenen gegenseitig-verflochtenen Alterit\u00e4tsannahmen m\u00fcssen ebenfalls in die Interpretation dessen einbezogen werden, was in so einem Interview aufgezeichnet wird.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich: Die wissenschaftlich aufbereiteten neuen Wissensbest\u00e4nde werden zu den Interviewpartner*innen zur\u00fcckkehren. Diese werden sie rezipieren, sie werden sie kritisieren, sich m\u00f6glicherweise r\u00e4chen wollen, sie werden sie umschreiben oder auch weiterschreiben. Die Historiker*innen Kerstin Br\u00fcckweh, Clemens Villinger und Kathrin Z\u00f6llner haben dies zum Baustein ihres Projektes gemacht: Sie sind mit den Ergebnissen ihrer Interview-Forschungen (\u00fcber die \u00bbLange Geschichte der Wende\u00ab) auf eine Dialogreise gegangen und sie haben dokumentiert, was passiert, wenn das Gespr\u00e4ch weitergeht, \u00fcber die Publikation der wissenschaftlichen Ergebnisse hinaus.&nbsp;<a href=\"#fussnote12\" name=\"anmerkung12\">(12)<\/a><\/p>\n<p>Ich will nun am Ende noch eine kritische Frage aufwerfen. Sie lautet: Welche Geschichten wollen wir h\u00f6ren, welche nicht und wer entscheidet dar\u00fcber, was wir zu h\u00f6ren bekommen? Lange Zeit haben Historiker*innen ganz alleine dar\u00fcber entschieden, welche Geschichten sie abfragten und welche nicht, welche Geschichten in ihre Forschungsagenda \u00bbpassten\u00ab und welche nicht. Vielfach haben hier koloniale, rassistische und menschenverachtende Kriterien eine Rolle gespielt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gab es in Deutschland jedoch eine spezifische Situation: Nun war Oral History verp\u00f6nt, weil man den Erinnerungen der Mitglieder einer postfaschistischen Gesellschaft, die in weiten Teilen eine T\u00e4ter*innengemeinschaft war, keine \u00f6ffentliche Plattform geben wollte. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat die Oral History in Deutschland erst relativ sp\u00e4t Fu\u00df gefasst. Das erste Gro\u00dfprojekt von Lutz Niethammer und seinem Forschungsteam befasste sich erst in den 1980er Jahren unter streng kontrollierten Bedingungen mit der NS-Erinnerung von Arbeiter*innen im Ruhrgebiet.&nbsp;<a href=\"#fussnote13\" name=\"anmerkung13\">(13)<\/a><\/p>\n                    <\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n        <\/block-copy>\n    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-standard-image\" style=\"margin-bottom:var(--spacing-third);\">\n\t<div class=\"container-fluid \">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-sm-6 col-sm-offset-3\">\n\t\t\t\t\n\t<lazy-media-inline inline-template>\n\t\t<figure itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageObject\" class=\"lazy-media-inline lazy-max-height-exception\" role=\"group\" id=\"media_69d0d2e5d84a9\">\n\t\t\t<script type=\"application\/json\" ref=\"data\">\n\t\t\t\t{\n\t\t\t\t\"sizes\" : {\"medium\":{\"file\":\"SHF_eb00195985_breit-292x300.jpg\",\"width\":292,\"height\":300,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":9678},\"large\":{\"file\":\"SHF_eb00195985_breit-998x1024.jpg\",\"width\":998,\"height\":1024,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":52724},\"thumbnail\":{\"file\":\"SHF_eb00195985_breit-150x150.jpg\",\"width\":150,\"height\":150,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":3668},\"medium_large\":{\"file\":\"SHF_eb00195985_breit-768x788.jpg\",\"width\":768,\"height\":788,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":37208},\"small\":{\"file\":\"SHF_eb00195985_breit-429x440.jpg\",\"width\":429,\"height\":440,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":16663},\"semi\":{\"file\":\"SHF_eb00195985_breit-565x580.jpg\",\"width\":565,\"height\":580,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":24920},\"mobile\":{\"file\":\"SHF_eb00195985_breit-702x720.jpg\",\"width\":702,\"height\":720,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":32848},\"original\":{\"file\":\"SHF_eb00195985_breit.jpg\",\"width\":1200,\"height\":1231}},\n\t\t\t\t\"alt\" : \"Graphic Recording Zeichnung, die w\\u00e4hrend des Fachtages \\u00bbErinnerung, Erz\\u00e4hlen, Wissen?\\u00ab am 6. 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Es melden sich nicht diejenigen, die weniger sprechf\u00e4hig sind und die keinen Zugang zum System \u00bbWissenschaft\u00ab sehen. Das verweist darauf, dass das Erz\u00e4hlen und Zuh\u00f6ren in gesellschaftliche Rahmenbedingungen eingebunden sind, in denen es vielen Menschen kaum m\u00f6glich ist, sich selbst zu erm\u00e4chtigen und die Forderung nach Partizipation zu formulieren. Und hier sehe ich ein gewisses Paradox: Denn es sind h\u00e4ufig wieder die Wissenschaftler*innen, die auf die Interviewpartner*innen zugehen, sie auffordern und in die Position bringen, ihre Lebensgeschichte zu erz\u00e4hlen. Ist das nicht am Ende auch wieder ein paternalistisches Vorgehen, also eine Art Bevormundung?<\/p>\n                    <\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n        <\/block-copy>\n    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" style=\"margin-bottom:var(--spacing);\">\n    <div>\n        <block-copy inline-template>\n            <div>\n                <div class=\"container-fluid\">\n                                        <div class=\"copy-container\">\n                        <p>Alle Bilder: Graphic Recording Zeichnungen, die w\u00e4hrend des Fachtages \u00bbErinnerung, Erz\u00e4hlen, Wissen?\u00ab am 6. Oktober 2022 im Humboldt Forum entstanden sind. \u00a9 graphicrecording.cool (Johanna Benz, Tiziana Beck) \/ Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss<\/p>\n                    <\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n        <\/block-copy>\n    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-standard-image\" style=\"margin-bottom:var(--spacing-half);\">\n\t<div class=\"container-fluid mobile-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-12\">\n\t\t\t\t\n\t<lazy-media-inline inline-template>\n\t\t<figure itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageObject\" class=\"lazy-media-inline \" role=\"group\" id=\"media_69d0d2e5e9e41\">\n\t\t\t<script type=\"application\/json\" ref=\"data\">\n\t\t\t\t{\n\t\t\t\t\"sizes\" : {\"medium\":{\"file\":\"divider_orange-2-300x2.jpg\",\"width\":300,\"height\":2,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":1101},\"large\":{\"file\":\"divider_orange-2-1024x8.jpg\",\"width\":1024,\"height\":8,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":3088},\"thumbnail\":{\"file\":\"divider_orange-2-150x11.jpg\",\"width\":150,\"height\":11,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":1116},\"medium_large\":{\"file\":\"divider_orange-2-768x6.jpg\",\"width\":768,\"height\":6,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":2284},\"small\":{\"file\":\"divider_orange-2-440x4.jpg\",\"width\":440,\"height\":4,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":1542},\"semi\":{\"file\":\"divider_orange-2-580x5.jpg\",\"width\":580,\"height\":5,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":1906},\"mobile\":{\"file\":\"divider_orange-2-720x6.jpg\",\"width\":720,\"height\":6,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":2181},\"hd\":{\"file\":\"divider_orange-2-1280x10.jpg\",\"width\":1280,\"height\":10,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":4051},\"original\":{\"file\":\"divider_orange-2.jpg\",\"width\":1355,\"height\":11}},\n\t\t\t\t\"alt\" : \"\",\n\t\t\t\t\"title\" : \"divider_orange\",\n\t\t\t\t\"path\" : \"\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/06\\\/\",\n\t\t\t\t\"video\" : null,\n\t\t\t\t\"autoplay\" : null,\n\t\t\t\t\"youtube\" : null,\n\t\t\t\t\"youtubelabel\" : \"Play video\",\n\t\t\t\t\"brightness\" : 100,\n\t\t\t\t\"crop\" : null,\n\t\t\t\t\"background\" : false,\n\t\t\t\t\"scale\" : 1\t\t\t\t}\n\t\t\t<\/script>\n\n\t\t\t<div class=\"height-container\" style=\"padding-bottom:0.81180811808118%;\" v-if=\"sizes\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<lazy-media :inline=\"true\" :alt=\"alt\" :title=\"title\" :sizes=\"sizes\" :scale=\"scale\" :brightness=\"brightness\" :path=\"path\" :video=\"video\" :autoplay=\"autoplay\" :youtube=\"youtube\" :crop=\"crop\" :youtubelabel=\"youtubelabel\" :background=\"background\"><\/lazy-media>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/figure>\n\t<\/lazy-media-inline>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" style=\"margin-bottom:var(--spacing-half);\">\n    <div>\n        <block-copy inline-template>\n            <div>\n                <div class=\"container-fluid\">\n                                        <div class=\"copy-container\">\n                        <p><a href=\"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/en\/autor\/christiane-kuller\/\">Dr. Christiane Kuller<\/a> ist Professorin f\u00fcr Neuere und Zeitgeschichte sowie f\u00fcr Geschichtsdidaktik an der Universit\u00e4t in Erfurt. Zu ihren Forschungsschwerpunkten z\u00e4hlen die Alltagsgeschichte der DDR und der Transformationszeit sowie die Geschichte von Erinnerungskulturen.<\/p>\n                    <\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n        <\/block-copy>\n    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-standard-image\" style=\"margin-bottom:var(--spacing);\">\n\t<div class=\"container-fluid mobile-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-12\">\n\t\t\t\t\n\t<lazy-media-inline inline-template>\n\t\t<figure itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageObject\" class=\"lazy-media-inline \" role=\"group\" id=\"media_69d0d2e600479\">\n\t\t\t<script type=\"application\/json\" ref=\"data\">\n\t\t\t\t{\n\t\t\t\t\"sizes\" : {\"medium\":{\"file\":\"divider_orange_gedreht-2-300x2.jpg\",\"width\":300,\"height\":2,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":1101},\"large\":{\"file\":\"divider_orange_gedreht-2-1024x8.jpg\",\"width\":1024,\"height\":8,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":3095},\"thumbnail\":{\"file\":\"divider_orange_gedreht-2-150x11.jpg\",\"width\":150,\"height\":11,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":1115},\"medium_large\":{\"file\":\"divider_orange_gedreht-2-768x6.jpg\",\"width\":768,\"height\":6,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":2276},\"small\":{\"file\":\"divider_orange_gedreht-2-440x4.jpg\",\"width\":440,\"height\":4,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":1547},\"semi\":{\"file\":\"divider_orange_gedreht-2-580x5.jpg\",\"width\":580,\"height\":5,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":1908},\"mobile\":{\"file\":\"divider_orange_gedreht-2-720x6.jpg\",\"width\":720,\"height\":6,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":2167},\"hd\":{\"file\":\"divider_orange_gedreht-2-1280x10.jpg\",\"width\":1280,\"height\":10,\"mime-type\":\"image\\\/jpeg\",\"filesize\":4058},\"original\":{\"file\":\"divider_orange_gedreht-2.jpg\",\"width\":1355,\"height\":11}},\n\t\t\t\t\"alt\" : \"\",\n\t\t\t\t\"title\" : \"divider_orange_gedreht\",\n\t\t\t\t\"path\" : \"\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/06\\\/\",\n\t\t\t\t\"video\" : null,\n\t\t\t\t\"autoplay\" : null,\n\t\t\t\t\"youtube\" : null,\n\t\t\t\t\"youtubelabel\" : \"Play video\",\n\t\t\t\t\"brightness\" : 100,\n\t\t\t\t\"crop\" : null,\n\t\t\t\t\"background\" : false,\n\t\t\t\t\"scale\" : 1\t\t\t\t}\n\t\t\t<\/script>\n\n\t\t\t<div class=\"height-container\" style=\"padding-bottom:0.81180811808118%;\" v-if=\"sizes\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<lazy-media :inline=\"true\" :alt=\"alt\" :title=\"title\" :sizes=\"sizes\" :scale=\"scale\" :brightness=\"brightness\" :path=\"path\" :video=\"video\" :autoplay=\"autoplay\" :youtube=\"youtube\" :crop=\"crop\" :youtubelabel=\"youtubelabel\" :background=\"background\"><\/lazy-media>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/figure>\n\t<\/lazy-media-inline>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" style=\"margin-bottom:var(--spacing);\">\n    <div>\n        <block-copy inline-template>\n            <div>\n                <div class=\"container-fluid\">\n                                        <div class=\"copy-container\">\n                        <p><a name=\"fussnote1\"><\/a>(1) Die folgenden \u00dcberlegungen sind das Ergebnis vielf\u00e4ltigen Austausches mit Kolleginnen und Kollegen, unter anderem mit Agn\u00e8s Arp, der Leiterin der bundesweit ersten Forschungsstelle f\u00fcr \u00bbostdeutsche Erinnerung\u00ab, mit Patrice Poutrus, Gastprofessor f\u00fcr Interdisziplin\u00e4re Frauen- und Geschlechterforschung an der TU Berlin, Florian Wagner und Christiane B\u00fcrger, die vor Kurzem eine Forschungsstelle f\u00fcr koloniales Erbe in Th\u00fcringen ins Leben gerufen haben und mit Sophie K\u00fchnlenz, die sich in ihren Forschungen mit musealen Darstellungsformen besch\u00e4ftigt. <a href=\"#anmerkung1\">(nach oben \u2191)<\/a><\/p>\n<p><a name=\"fussnote2\"><\/a>(2) Am 17. September 2022 er\u00f6ffneten f\u00fcr das Publikum im Ostfl\u00fcgel des Humboldt Forums die neuen Sammlungspr\u00e4sentationen des Ethnologischen Museums und des Museums f\u00fcr Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin sowie f\u00fcnf tempor\u00e4re Ausstellungen der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss in Zusammenarbeit mit den Museen, vgl. <a href=\"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/presse\/dossiers\/eroeffnung-ostfluegel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/presse\/dossiers\/eroeffnung-ostfluegel\/<\/a>\u00a0<a href=\"#anmerkung2\">(nach oben \u2191)<\/a><\/p>\n<p><a name=\"fussnote3\"><\/a>(3) Niethammer, Lutz: Oral History in der deutschen Zeitgeschichte. Lutz Niethammer im Gespr\u00e4ch mit Veronika Settele und Paul Nolte, in: Geschichte und Gesellschaft, 43 (2017) 1, S. 110\u2013145, hier: S. 121. <a href=\"#anmerkung3\">(nach oben \u2191)<\/a><\/p>\n<p><a name=\"fussnote4\"><\/a>(4) <span lang=\"en-GB\">Wierling, Dorothee: Oral History, in: Michael Maurer (Hrsg.): Aufriss der Historischen Wissenschaften, Bd. 7: Neue Themen und Methoden der Geschichtswissenschaft, Stuttgart 2003, S. 81\u2013151<\/span><span lang=\"en-GB\">. <\/span><a href=\"#anmerkung4\">(nach oben \u2191)<\/a><\/p>\n<p><a name=\"fussnote5\"><\/a>(5) Sch\u00fctze, Fritz: Biografieforschung und Narrative Interviews, in: Neue Praxis, 13 (1983), S. 283\u2013293, S. 121; Niethammer, Lutz: Oral History in der deutschen Zeitgeschichte. Lutz Niethammer im Gespr\u00e4ch mit Veronika Settele und Paul Nolte, in: Geschichte und Gesellschaft, 43 (2017) 1, S. 110\u2013145, hier: S. 121. <a href=\"#anmerkung5\">(nach oben \u2191)<\/a><\/p>\n<p><a name=\"fussnote6\"><\/a>(6) Behrend, Heike: Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung, Berlin 2020, S. 17f. <a href=\"#anmerkung6\">(nach oben \u2191)<\/a><\/p>\n<p><a name=\"fussnote7\"><\/a>(7) Informationen zum Oral History-Projekt im Forschungsverbund \u00bbDiktaturerfahrung und Transformation\u00ab (2019\u20132022): <a href=\"https:\/\/verbund-dut.de\/teilprojekte\/familienerinnerung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/verbund-dut.de\/teilprojekte\/familienerinnerung\/<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.uni-erfurt.de\/philosophische-fakultaet\/seminare-professuren\/historisches-seminar\/professuren\/neuere-und-zeitgeschichte-und-geschichtsdidaktik\/forschungsstellen\/oral-history-forschungsstelle\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.uni-erfurt.de\/philosophische-fakultaet\/seminare-professuren\/historisches-seminar\/professuren\/neuere-und-zeitgeschichte-und-geschichtsdidaktik\/forschungsstellen\/oral-history-forschungsstelle<\/a>.\u00a0<a href=\"#anmerkung7\">(nach oben \u2191)<\/a><\/p>\n<p><a name=\"fussnote8\"><\/a>(8) Frisch, Michael: A Shared Authority. Essays on the Craft and Meaning of Oral and Public History, Albany 1990. <a href=\"#anmerkung8\">(nach oben \u2191)<\/a><\/p>\n<p><a name=\"fussnote9\"><\/a>(9) Vgl. dazu aus sozialwissenschaftlicher Sicht von Unger, Hella von: Partizipative Forschung. Einf\u00fchrung in die Forschungspraxis, Wiesbaden 2014, S. 9. <a href=\"#anmerkung9\">(nach oben \u2191)<\/a><\/p>\n<p><a name=\"fussnote10\"><\/a>(10) Vgl. hierzu Sabrow, Martin: Die Lust an der Vergangenheit. Kommentar zu Aleida Assmann, in: Zeithistorische Forschungen\/Studies in Contemporary History, 4 (2007) 3, https:\/\/zeithistorische-forschungen.de\/3-2007\/4667, Druckausgabe: S. 386\u2013392. <a href=\"#anmerkung10\">(nach oben \u2191)<\/a><\/p>\n<p><a name=\"fussnote11\"><\/a>(11) Behrend, Heike: Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung, Berlin 2020, S. 13. <a href=\"#anmerkung11\">(nach oben \u2191)<\/a><\/p>\n<p><a name=\"fussnote12\"><\/a>(12) Br\u00fcckweh, Kerstin\/Villinger, Clemens\/Z\u00f6ller, Kathrin (Hrsg.): Die lange Geschichte der \u00bbWende\u00ab. Geschichtswissenschaft im Dialog, Berlin 2020. <a href=\"#anmerkung12\">(nach oben \u2191)<\/a><\/p>\n<p><a name=\"fussnote13\"><\/a>(13) Das erste und wohl immer noch umfangreichste Oral History-Projekt in der Bundesrepublik Deutschland war das zu Beginn der 1980er Jahre durchgef\u00fchrte Projekt \u00bbLebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930\u20131960\u00ab (LUSIR), in dem es um Faschismuserfahrungen sowie deren Verarbeitung und Bedeutung als Vorgeschichte der Nachkriegszeit ging. Einschlie\u00dflich des Nachfolgeprojektes \u00bbEinsetzung und Einpassung neuer Eliten in NRW nach 1945\u00ab wurden vierhundert lebensgeschichtliche Interviews mit Personen aus der Wirtschaft, dem Mittelstand und der Arbeiterschaft des Ruhrgebietes gef\u00fchrt. Informationen zum Projekt und dessen Publikationen: <a href=\"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/geschichteundbiographie\/forschung\/projekte\/lebensgeschichte.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/geschichteundbiographie\/forschung\/projekte\/lebensgeschichte.shtml<\/a>\u00a0<a href=\"#anmerkung13\">(nach oben \u2191)<\/a><\/p>\n                    <\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n        <\/block-copy>\n    <\/div>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Vortrag zum Fachtag \u00bbErinnern, Erz\u00e4hlen, Wissen\u00ab<\/p>\n","protected":false},"featured_media":2817,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","magazine-topic":[5,10],"magazine-tag":[],"magazine-author":[58],"class_list":["post-2801","magazine-article","type-magazine-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","magazine-topic-erinnerungen","magazine-topic-wissen","magazine-author-christiane-kuller"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/2801","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article"}],"about":[{"href":"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/magazine-article"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2801"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/2801\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8980,"href":"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/2801\/revisions\/8980"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2817"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2801"}],"wp:term":[{"taxonomy":"magazine-topic","embeddable":true,"href":"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-topic?post=2801"},{"taxonomy":"magazine-tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-tag?post=2801"},{"taxonomy":"magazine-author","embeddable":true,"href":"https:\/\/pdr.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-author?post=2801"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}